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Kreidezähne

Kreidezähne erkennen und behandeln

 

Kreidezähne, fachlich Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH), gehören heute zu den häufigsten Zahnproblemen im Schulalter. Betroffen sind Kinder ab etwa sechs Jahren, wenn die ersten bleibenden Backenzähne durchbrechen. Was Eltern dann sehen, sind gelbliche oder bräunliche Flecken auf frisch durchgebrochenen Zähnen. Manchmal bröckelt der Zahnschmelz sogar ab, obwohl das Kind regelmäßig putzt.

Genau das verunsichert. Viele Eltern kommen mit der Frage zu uns, ob sie etwas falsch gemacht haben. Die kurze Antwort vorweg: nein. Ein Zahnschmelzdefekt dieser Art entsteht lange bevor der Zahn überhaupt im Mund sichtbar wird. In diesem Beitrag erklären wir Ihnen, woran Sie entmineralisierte Zähne erkennen, was der aktuelle Forschungsstand zu den Ursachen sagt und welche Behandlung bei welchem Schweregrad sinnvoll ist.

Was sind Kreidezähne genau?

Der Zahnschmelz ist die härteste Substanz unseres Körpers. Damit er hart wird, lagern sich während der Zahnentwicklung Mineralien ein, vor allem Hydroxylapatit. Bei einer Zahnschmelzstörung wie MIH läuft genau dieser Vorgang unvollständig ab: Es wandert zu wenig Mineral in den Schmelz, dafür bleiben mehr Wasser und Eiweiß zurück.

Das Ergebnis ist ein Schmelz, der zwar in normaler Dicke vorhanden, aber porös und weich ist. Er sieht kreidig aus. Und er verhält sich auch so, denn unter Kaudruck kann er absplittern. Fachleute sprechen von einer qualitativen Störung, im Unterschied zur Hypoplasie, bei der schlicht zu wenig Schmelz gebildet wurde.

Typischerweise trifft es die vier ersten bleibenden Backenzähne, die sogenannten Sechsjahrmolaren. Häufig sind zusätzlich die oberen Schneidezähne betroffen. Daher der sperrige Fachbegriff Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation. Beschrieben wurde das Krankheitsbild erstmals 1987 von einer schwedischen Forschungsgruppe um Koch, die Abkürzung MIH prägte 2001 die European Academy of Paediatric Dentistry.

Wie häufig sind Kreidezähne bei Kindern?

Häufiger, als die meisten Eltern vermuten. Die Sechste Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS 6), erhoben zwischen 2021 und 2023 und im Jahr 2025 veröffentlicht, hat 922 zwölfjährige Kinder nach den internationalen Diagnosekriterien untersucht. Ergebnis: 15,3 Prozent der Zwölfjährigen haben Kreidezähne. Jedes siebte Kind also.

Zwei Zahlen aus dieser Studie beruhigen allerdings:

  • In 63,3 Prozent der Fälle handelt es sich um eine milde Form ohne Substanzverlust.
  • Bei 9,2 Prozent der betroffenen Kinder war bereits Schmelz weggebrochen.

Interessant ist der Vergleich mit der Vorgängerstudie DMS V aus dem Jahr 2014. Damals lag der Wert noch bei 28,7 Prozent. Der deutliche Rückgang wird in der Fachwelt diskutiert, unter anderem im Zusammenhang mit dem EU-weiten Verbot von Bisphenol A in Babyflaschen seit 2011. Bewiesen ist dieser Zusammenhang nicht. Wenn Sie also im Netz noch auf die alte Zahl von fast 30 Prozent stoßen: Die ist überholt.

Woran Sie Kreidezähne erkennen

Sichtbar wird eine MIH erst, wenn der Zahn durchbricht. Bei den Sechsjahrmolaren ist das meist zwischen dem sechsten und achten Lebensjahr, bei den Schneidezähnen etwas später. Auf dem Röntgenbild lässt sich die Störung übrigens nicht erkennen, die Diagnose stellen wir am Zahn selbst.

Achten Sie auf diese Anzeichen:

Scharf abgegrenzte Flecken. Cremeweiß, gelblich oder gelbbraun. Anders als bei einer Fluorose sind die Ränder deutlich abgegrenzt und nicht verwaschen. Faustregel: Je dunkler und bräunlicher der Fleck, desto stärker ist der Schmelz geschädigt.

Abgeplatzter Zahnschmelz. Fachlich posteruptiver Schmelzeinbruch. Der weiche Schmelz hält der Kaubelastung nicht stand und bricht weg, teils schon wenige Wochen nach dem Durchbruch.

Empfindliche Zähne. Kaltes Wasser, heiße Suppe, manchmal reicht schon kalte Luft. Diese Hypersensibilität ist oft das erste, was Kindern selbst auffällt.

Schmerzen beim Zähneputzen. Ein wichtiges Warnsignal. Kinder umgehen die schmerzhafte Stelle beim Putzen, dort sammelt sich Belag, und die ohnehin anfälligen Zähne bekommen zusätzlich Karies.

Karies, die schnell und an untypischen Stellen entsteht. Poröser Schmelz bietet Bakterien deutlich weniger Widerstand.

Wenn Sie eines dieser Anzeichen bemerken, warten Sie bitte nicht auf den nächsten Routinetermin. Je früher wir einen betroffenen Zahn schützen, desto seltener wird später eine größere Behandlung nötig.

Kreidezähne oder doch Karies?

Beides sieht für Laien ähnlich aus, hat aber nichts miteinander zu tun.

Karies entsteht nach dem Zahndurchbruch. Bakterien verstoffwechseln Zucker zu Säure, die Säure löst Mineralien aus dem Schmelz. Ein Kreidezahn dagegen war schon fehlerhaft aufgebaut, bevor er im Mund erschien. Er ist von Anfang an so gewesen.

Auch von der Dentalfluorose unterscheiden sich Kreidezähne. Fluorose entsteht durch zu viel Fluorid während der Zahnentwicklung und zeigt sich meist symmetrisch mit diffusen, verwaschenen weißen Flecken. Und die Amelogenesis imperfecta, eine erbliche Störung, betrifft in der Regel das gesamte Gebiss, während eine MIH auf einzelne Zähne begrenzt bleibt.

Für die Behandlung ist diese Unterscheidung entscheidend. Ein Kreidezahn braucht ein anderes Vorgehen als ein kariöser Zahn, besonders beim Legen einer Füllung.

Ursachen: Was wir wissen und was nicht

Hier müssen wir ehrlich sein. Trotz jahrzehntelanger Forschung ist die Ursache der MIH nicht geklärt. Im Bundesgesundheitsblatt formulierte es die Arbeitsgruppe um Kühnisch 2021 so, dass bis heute keine plausible Ursachenkette vorliegt. Man geht von einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren aus.

Der schädigende Einfluss trifft die schmelzbildenden Zellen in einem eng begrenzten Zeitfenster: etwa vom achten Schwangerschaftsmonat bis zum dritten oder vierten Lebensjahr. Diskutiert werden unter anderem:

  • Erkrankungen in der frühen Kindheit wie hohes Fieber, Atemwegsinfekte oder Mittelohrentzündungen. Die Studienlage ist uneinheitlich.
  • Antibiotika, besonders Amoxicillin. Experimentelle Untersuchungen an einem Muschelmodell in München fanden allerdings keine negativen Effekte auf die Mineralisation.
  • Bisphenol A und andere Umweltstoffe. Im selben Muschelmodell hemmte BPA das Mineralwachstum. Ein finnischer Verdacht auf Dioxine in der Muttermilch ließ sich später nicht bestätigen, und zwischen Stillen und MIH fand sich kein Zusammenhang.
  • Vitamin-D-Mangel. Eine der spannendsten Spuren. Eine Auswertung Münchner Geburtskohorten zeigte, dass Kinder mit höheren Vitamin-D-Spiegeln seltener betroffen waren. Ein Hinweis, kein Beweis.
  • Geburtskomplikationen und genetische Faktoren spielen vermutlich mit hinein.

Was Kreidezähne nicht verursacht

Drei Punkte, die wir in der Sprechstunde regelmäßig klarstellen:

Schlechte Mundhygiene löst keine MIH aus. Der Defekt ist fertig angelegt, bevor der Zahn sichtbar wird. Zähneputzen kann ihn weder verursachen noch verhindern.

Falsche Ernährung ebenfalls nicht. Prof. Katrin Bekes, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Kinderzahnmedizin, hat das in der Apotheken Umschau eindeutig gesagt: Kreidezähne entstehen weder durch falsche Ernährung noch durch mangelnde Mundhygiene.

Und Fluorid schon gar nicht. Fluorose und MIH sind zwei verschiedene Dinge. Fluorid schützt gerade die anfälligen Kreidezähne vor Karies und gehört deshalb fest zur Behandlung dazu.

Eine gezielte Vorbeugung gibt es momentan nicht, weil die Ursache fehlt. Was sich sehr wohl verhindern lässt, sind die Folgeschäden.

Auch Milchzähne können Kreidezähne sein

Seltener, aber es kommt vor. Betroffen sind meist die zweiten Milchbackenzähne, Fachleute sprechen dann von einer Milchmolaren-Hypomineralisation. Eine Leipziger Untersuchung fand das bei rund vier Prozent der Kinder.

Für Sie als Eltern ist das ein nützliches Frühwarnsystem. Kinder mit kreidigen Milchzähnen entwickeln bis zu fünfmal häufiger auch an den bleibenden Zähnen eine MIH. Wenn wir das im Milchgebiss sehen, schauen wir beim Zahnwechsel besonders genau hin und können die neuen Backenzähne vom ersten Tag an schützen.

Wie wir Kreidezähne in der Praxis untersuchen

Die Diagnose stellen wir am gereinigten, feuchten Zahn nach den Kriterien der European Academy of Paediatric Dentistry. Wir beurteilen Ausdehnung und Farbe der Flecken, prüfen, ob Schmelz weggebrochen ist, und fragen gezielt nach Empfindlichkeiten.

Für den deutschsprachigen Raum arbeiten wir mit dem sogenannten Würzburger Konzept und dem darin enthaltenen MIH-Behandlungsbedarfsindex. Dieser Index kombiniert zwei Dinge: wie viel Zahnhartsubstanz bereits fehlt und ob der Zahn schmerzempfindlich ist. Daraus ergibt sich ein klarer Behandlungsplan, in den wir zusätzlich das individuelle Kariesrisiko Ihres Kindes einrechnen.

Wir dokumentieren den Befund mit Fotos. So sehen wir beim nächsten Termin genau, ob sich etwas verändert hat, und Sie sehen es mit.

Behandlung: Was bei welchem Schweregrad hilft

Vorab eine wichtige Einordnung: Geschädigter Zahnschmelz wächst nicht nach. Kreidezähne sind nicht heilbar. Aber sie sind gut behandelbar, und in den allermeisten Fällen lassen sich die Zähne dauerhaft erhalten. Unsere Ziele: keine Schmerzen, keine Karies, Zahn erhalten und bei den Frontzähnen ein Ergebnis, mit dem Ihr Kind gern lacht.

Grundlage unseres Vorgehens ist das Positionspapier der European Academy of Paediatric Dentistry von 2021.

Leichte Form: schützen und stabilisieren

Bei Flecken ohne Substanzverlust steht die Vorbeugung im Mittelpunkt.

Wir tragen hochkonzentrierten Fluoridlack auf, alle drei bis sechs Monate. Das härtet die Oberfläche und senkt das Kariesrisiko deutlich. Ergänzend arbeiten wir mit CPP-ACP-Pasten aus Milcheiweiß und Kalziumphosphat, die den Schmelz remineralisieren und die Empfindlichkeit dämpfen. Eine Laborstudie aus dem Jahr 2022 zeigte nach 28 Tagen Anwendung eine messbar höhere Mikrohärte des hypomineralisierten Schmelzes. Bei einer Milcheiweißallergie fällt diese Option allerdings weg.

Ist der Backenzahn vollständig durchgebrochen, versiegeln wir die Kaufläche. Bei noch nicht ganz durchgebrochenen oder empfindlichen Zähnen legen wir zunächst eine Übergangsversiegelung aus fließfähigem Glasionomerzement.

Dazu kommen engmaschige Kontrollen, in der aktiven Phase alle drei Monate.

Mittlere Form: Empfindlichkeit nehmen, Defekt versorgen

Klagt Ihr Kind über schmerzempfindliche Zähne, schalten wir eine Desensibilisierungsphase von ein bis drei Monaten vor. Fluoridlack, CPP-ACP oder argininhaltige Pasten. In dieser Zeit verzichten wir bei der Behandlung auf den Luftbläser und trocknen mit Watte.

Ist Schmelz weggebrochen, versorgen wir den Defekt. Für die dauerhafte Versorgung ist Komposit das Material der Wahl, gelegt unter Kofferdam. Wichtig dabei: Wir entfernen den betroffenen Schmelz bis zum gesunden Rand. Nicht-invasive Kompositfüllungen, die den porösen Schmelz einfach überdecken, halten schlecht und werden ausdrücklich nicht empfohlen. Das liegt daran, dass Klebstoffe an hypomineralisiertem Schmelz deutlich schlechter haften als an gesundem.

Bei sehr jungen oder noch wenig kooperativen Kindern nutzen wir Glasionomerzement als Zwischenlösung. Er lässt sich schnell verarbeiten und gibt Fluorid ab, ist mechanisch aber weniger belastbar.

Schwere Form: Kinderkrone oder geplante Entfernung

Fehlt mehr als die Hälfte der Zahnhartsubstanz und ist der Zahn stark empfindlich, ist die konfektionierte Stahlkrone oft die beste Lösung. Sie sitzt in einer Sitzung, schützt den kompletten Zahn und hat sehr hohe Erfolgsraten. Optisch ist sie kein Schmuckstück, im hinteren Bereich fällt sie aber kaum auf. Später, nach Abschluss der Schmelzreifung, lässt sie sich durch eine laborgefertigte Teilkrone ersetzen.

In seltenen Fällen ist ein Sechsjahrmolar nicht mehr erhaltungswürdig. Dann kann die geplante Entfernung sinnvoller sein als eine Kette immer neuer Reparaturen. Der Zeitpunkt ist dabei entscheidend und liegt üblicherweise zwischen dem achten und elften Lebensjahr. Wird richtig terminiert, rückt der Zwölfjahrmolar von selbst in die Lücke nach. Diese Entscheidung treffen wir nie allein, sondern immer gemeinsam mit einem Kieferorthopäden.

Verfärbte Schneidezähne behandeln

An den Frontzähnen geht es meist weniger um Funktion als um das Aussehen. Und darum, dass Kinder in der Schule darauf angesprochen werden.

Wir gehen hier so schonend wie möglich vor, weil junge Zähne noch eine große Pulpa mit langen Pulpahörnern haben. In Frage kommen ein niedrig konzentriertes Bleaching, die Kunststoff-Infiltration zur Maskierung der Flecken und bei oberflächlichen Verfärbungen die Mikroabrasion. Kombinieren lassen sich Bleaching und Infiltration mit etwa zwei Wochen Abstand.

Kompositaufbauten oder Veneers kommen erst später in Frage, meist im Jugendalter. Sie sind irreversibel. Den Zeitpunkt bestimmt vor allem eines: der Leidensdruck Ihres Kindes, nicht unser Blick auf den Zahn.

Wenn die Betäubung nicht richtig wirkt

Ein bekanntes Problem bei MIH. Der entzündungsnahe Zustand des Zahnnervs führt dazu, dass die örtliche Betäubung schlechter anschlägt als üblich. Das ist keine Einbildung des Kindes, sondern gut dokumentiert.

Wir arbeiten deshalb häufig mit einer Kombination aus Lokalanästhesie und Lachgas. Manchmal empfehlen wir eine altersgerechte Ibuprofen-Gabe zu Hause vor dem Termin. Bei sehr ängstlichen Kindern oder umfangreichem Behandlungsbedarf besprechen wir eine Behandlung unter Sedierung oder in Vollnarkose. Mehr dazu finden Sie auf unserer Seite für Angstpatienten.

Was Sie zu Hause tun können

Der wichtigste Beitrag von Ihrer Seite ist konsequenter Kariesschutz. Kreidezähne verzeihen weniger als gesunde Zähne.

Putzen trotz Schmerz. Benutzen Sie eine weiche Bürste und putzen Sie sanft, aber sparen Sie empfindliche Stellen nicht aus. Genau dort entsteht sonst Karies. Bis mindestens zum neunten oder zehnten Lebensjahr sollten Sie nachputzen. Tipps zur Technik haben wir in unserem Beitrag Richtig Zähne putzen für Groß und Klein zusammengestellt.

Fluorid richtig dosieren. Es gilt die gemeinsame Handlungsempfehlung zur Kariesprävention im Säuglings- und frühen Kindesalter, getragen unter anderem von der Deutschen Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde:

Alter Zahnpasta Menge und Häufigkeit
12 bis unter 24 Monate 1.000 ppm Fluorid reiskorngroß, 2x täglich
2 bis unter 6 Jahre 1.000 ppm Fluorid erbsengroß, 2x täglich
ab 6 Jahren 1.450 ppm Fluorid 2x täglich

Ein Hinweis, der vielen Eltern nicht bekannt ist: Viele Kinderzahnpasten enthalten nach älteren Empfehlungen nur 500 ppm. Schauen Sie auf die Packung. Und tragen Sie die Zahnpasta selbst auf, damit die Menge stimmt. Fluoridzahnpasta und Fluoridtabletten werden nicht gleichzeitig gegeben.

Säuren im Blick behalten. Fruchtsäfte, Softdrinks, Smoothies und Quetschbeutel mit Fruchtmus greifen ohnehin geschwächten Schmelz zusätzlich an. Zuckerfreie Kaugummis nach dem Essen können bei älteren Kindern sinnvoll sein, dazu haben wir einen eigenen Beitrag über Xylit geschrieben.

Termine einhalten. Die Milchbackenzähne sollten wir mit zwei bis drei Jahren beurteilen, die bleibenden Zähne zu Beginn des Zahnwechsels mit etwa fünf bis sechs Jahren. Alles zur Zahnvorsorge für Kinder finden Sie auf unserer Leistungsseite.

Was zahlt die Krankenkasse?

Ein großer Teil der Behandlung ist Kassenleistung.

Seit April 2024 übernimmt die gesetzliche Krankenkasse den Fluoridlack zur Zahnschmelzhärtung für alle Kinder bis zum sechsten Geburtstag. Ab dem sechsten Geburtstag stehen zweimal jährlich die Leistungen der Individualprophylaxe zur Verfügung, dazu gehören Mundhygienestatus, Aufklärung, lokale Fluoridierung und die Versiegelung der bleibenden Backenzähne. Füllungen und konfektionierte Stahlkronen werden ebenfalls übernommen. Eine Vollnarkose bei ängstlichen Kindern in der Regel bis zum zwölften Geburtstag.

Privat zu tragen sind meist die ästhetischen Behandlungen an den Frontzähnen, also Kunststoff-Infiltration, Bleaching und Veneers. Ebenso höherwertige Materialien und die Versiegelung zusätzlicher Zähne.

Zur Zahnzusatzversicherung ein praktischer Hinweis: Sie ist sinnvoll, aber nur, solange noch keine MIH diagnostiziert ist. Nach der Diagnose schließen die meisten Tarife die Behandlung der betroffenen Zähne aus. Wer eine abschließen möchte, sollte das früh tun.

Unser Fazit zu Kreidezähnen

Kreidezähne sind kein Erziehungsfehler und kein Hygieneproblem. Sie sind ein Zahnschmelzdefekt, der lange vor dem ersten Zähneputzen entsteht, und sie treffen in Deutschland jedes siebte Kind.

Heilen können wir sie nicht. Schützen sehr gut. Entscheidend ist der Zeitpunkt: Ein Kreidezahn, den wir beim Durchbruch sehen und sofort versiegeln, macht in vielen Fällen nie Probleme. Ein Kreidezahn, der zwei Jahre unbemerkt bleibt, braucht am Ende oft eine Krone.

Wenn Sie an den neuen Backenzähnen oder Schneidezähnen Ihres Kindes gelbliche Flecken sehen oder Ihr Kind beim Putzen zusammenzuckt, lassen Sie uns draufschauen. Das dauert wenige Minuten und erspart Ihrem Kind im Zweifel eine Menge.

FAQ – Häufige Fragen rund um die Kreidezähne

Sind Kreidezähne ansteckend?

Nein. MIH ist eine Entwicklungsstörung des Zahnschmelzes und keine Infektion. Weder Geschwister noch Spielkameraden können sich anstecken.

Wachsen sich Kreidezähne aus?

Nein. Zahnschmelz ist kein lebendes Gewebe und kann nicht nachwachsen. Der Defekt bleibt bestehen. Mit der richtigen Behandlung lassen sich die Zähne aber dauerhaft erhalten und beschwerdefrei halten.

Habe ich als Elternteil etwas falsch gemacht?

Nein. Die Störung entsteht zwischen dem achten Schwangerschaftsmonat und etwa dem vierten Lebensjahr, also lange bevor Zähneputzen oder Süßigkeiten überhaupt eine Rolle spielen. Weder Ernährung noch Pflege lösen Kreidezähne aus.

Können auch Milchzähne Kreidezähne sein?

Ja, vor allem die zweiten Milchbackenzähne. Man spricht dann von einer Milchmolaren-Hypomineralisation. Etwa vier Prozent der Kinder sind betroffen. Wichtig zu wissen: Diese Kinder entwickeln deutlich häufiger auch an den bleibenden Zähnen eine MIH.

Kann man Kreidezähnen vorbeugen?

Eine gezielte Vorbeugung gibt es nicht, weil die Ursache unbekannt ist. Vorbeugen lässt sich aber sehr gut den Folgen: Karies, Schmelzeinbrüchen und Schmerzen. Genau darum geht es bei der Prophylaxe.

Ist zu viel Fluorid schuld an den weißen Flecken?

Nein, das ist eine Verwechslung mit der Dentalfluorose. Die zeigt sich mit verwaschenen, meist symmetrischen weißen Flecken, MIH dagegen mit scharf abgegrenzten Flecken an einzelnen Zähnen. Fluorid schützt Kreidezähne und gehört deshalb zur Behandlung.

Tut die Behandlung weh?

Wir wissen, dass die örtliche Betäubung bei Kreidezähnen schlechter anschlägt als sonst, und stellen uns darauf ein. Je nach Situation kombinieren wir Betäubung mit Lachgas, empfehlen ein Schmerzmittel vor dem Termin oder behandeln in Sedierung.

Übernimmt die Krankenkasse die Behandlung?

Zum großen Teil ja. Fluoridlack, Individualprophylaxe, Versiegelung, Füllungen und Kinderkronen sind Kassenleistungen. Ästhetische Behandlungen an den Frontzähnen sind in der Regel Privatleistung. Was in Ihrem Fall gilt, klären wir vor Behandlungsbeginn transparent mit Ihnen.

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Ihr nächster Schritt für gesunde Zähne

Sie haben an den Zähnen Ihres Kindes Flecken entdeckt oder sind unsicher, ob es sich um Karies oder eine Zahnschmelzstörung handelt? In unserer Kindersprechstunde nehmen wir uns Zeit für Ihr Kind und für Ihre Fragen.

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Bei Ihrer Erstuntersuchung nehmen wir uns besonders viel Zeit für eine gründliche umfassende Untersuchung und eine ausführliche Beratung. Gerne füllen Sie vorab schon unseren Anamnesebogen zuhause aus und bringen ihn ausgefüllt mit zu Ihrem Termin.