Behandlung: Was bei welchem Schweregrad hilft
Vorab eine wichtige Einordnung: Geschädigter Zahnschmelz wächst nicht nach. Kreidezähne sind nicht heilbar. Aber sie sind gut behandelbar, und in den allermeisten Fällen lassen sich die Zähne dauerhaft erhalten. Unsere Ziele: keine Schmerzen, keine Karies, Zahn erhalten und bei den Frontzähnen ein Ergebnis, mit dem Ihr Kind gern lacht.
Grundlage unseres Vorgehens ist das Positionspapier der European Academy of Paediatric Dentistry von 2021.
Leichte Form: schützen und stabilisieren
Bei Flecken ohne Substanzverlust steht die Vorbeugung im Mittelpunkt.
Wir tragen hochkonzentrierten Fluoridlack auf, alle drei bis sechs Monate. Das härtet die Oberfläche und senkt das Kariesrisiko deutlich. Ergänzend arbeiten wir mit CPP-ACP-Pasten aus Milcheiweiß und Kalziumphosphat, die den Schmelz remineralisieren und die Empfindlichkeit dämpfen. Eine Laborstudie aus dem Jahr 2022 zeigte nach 28 Tagen Anwendung eine messbar höhere Mikrohärte des hypomineralisierten Schmelzes. Bei einer Milcheiweißallergie fällt diese Option allerdings weg.
Ist der Backenzahn vollständig durchgebrochen, versiegeln wir die Kaufläche. Bei noch nicht ganz durchgebrochenen oder empfindlichen Zähnen legen wir zunächst eine Übergangsversiegelung aus fließfähigem Glasionomerzement.
Dazu kommen engmaschige Kontrollen, in der aktiven Phase alle drei Monate.
Mittlere Form: Empfindlichkeit nehmen, Defekt versorgen
Klagt Ihr Kind über schmerzempfindliche Zähne, schalten wir eine Desensibilisierungsphase von ein bis drei Monaten vor. Fluoridlack, CPP-ACP oder argininhaltige Pasten. In dieser Zeit verzichten wir bei der Behandlung auf den Luftbläser und trocknen mit Watte.
Ist Schmelz weggebrochen, versorgen wir den Defekt. Für die dauerhafte Versorgung ist Komposit das Material der Wahl, gelegt unter Kofferdam. Wichtig dabei: Wir entfernen den betroffenen Schmelz bis zum gesunden Rand. Nicht-invasive Kompositfüllungen, die den porösen Schmelz einfach überdecken, halten schlecht und werden ausdrücklich nicht empfohlen. Das liegt daran, dass Klebstoffe an hypomineralisiertem Schmelz deutlich schlechter haften als an gesundem.
Bei sehr jungen oder noch wenig kooperativen Kindern nutzen wir Glasionomerzement als Zwischenlösung. Er lässt sich schnell verarbeiten und gibt Fluorid ab, ist mechanisch aber weniger belastbar.
Schwere Form: Kinderkrone oder geplante Entfernung
Fehlt mehr als die Hälfte der Zahnhartsubstanz und ist der Zahn stark empfindlich, ist die konfektionierte Stahlkrone oft die beste Lösung. Sie sitzt in einer Sitzung, schützt den kompletten Zahn und hat sehr hohe Erfolgsraten. Optisch ist sie kein Schmuckstück, im hinteren Bereich fällt sie aber kaum auf. Später, nach Abschluss der Schmelzreifung, lässt sie sich durch eine laborgefertigte Teilkrone ersetzen.
In seltenen Fällen ist ein Sechsjahrmolar nicht mehr erhaltungswürdig. Dann kann die geplante Entfernung sinnvoller sein als eine Kette immer neuer Reparaturen. Der Zeitpunkt ist dabei entscheidend und liegt üblicherweise zwischen dem achten und elften Lebensjahr. Wird richtig terminiert, rückt der Zwölfjahrmolar von selbst in die Lücke nach. Diese Entscheidung treffen wir nie allein, sondern immer gemeinsam mit einem Kieferorthopäden.
Verfärbte Schneidezähne behandeln
An den Frontzähnen geht es meist weniger um Funktion als um das Aussehen. Und darum, dass Kinder in der Schule darauf angesprochen werden.
Wir gehen hier so schonend wie möglich vor, weil junge Zähne noch eine große Pulpa mit langen Pulpahörnern haben. In Frage kommen ein niedrig konzentriertes Bleaching, die Kunststoff-Infiltration zur Maskierung der Flecken und bei oberflächlichen Verfärbungen die Mikroabrasion. Kombinieren lassen sich Bleaching und Infiltration mit etwa zwei Wochen Abstand.
Kompositaufbauten oder Veneers kommen erst später in Frage, meist im Jugendalter. Sie sind irreversibel. Den Zeitpunkt bestimmt vor allem eines: der Leidensdruck Ihres Kindes, nicht unser Blick auf den Zahn.
Wenn die Betäubung nicht richtig wirkt
Ein bekanntes Problem bei MIH. Der entzündungsnahe Zustand des Zahnnervs führt dazu, dass die örtliche Betäubung schlechter anschlägt als üblich. Das ist keine Einbildung des Kindes, sondern gut dokumentiert.
Wir arbeiten deshalb häufig mit einer Kombination aus Lokalanästhesie und Lachgas. Manchmal empfehlen wir eine altersgerechte Ibuprofen-Gabe zu Hause vor dem Termin. Bei sehr ängstlichen Kindern oder umfangreichem Behandlungsbedarf besprechen wir eine Behandlung unter Sedierung oder in Vollnarkose. Mehr dazu finden Sie auf unserer Seite für Angstpatienten.